Mit dem Picknickkorb nach Irland…

…zu reisen, erwieß sich als gar nicht so einfach. Bisher dachte ich immer diese Riesentrolleys, die so viele als Handgepäck mitnehmen, seien sperrig und würden definitiv keinen Platz in der Gepäckablage finden. Jedes Mal werde ich eines besseren belehrt. Alles passt und sitzt. Nun machten wir uns einmal mit einem Picknickkorb auf nach Irland und ich hätte ihn beinahe in Deutschland lassen müssen. Zu sperrig für unter den Sitz, ebenso für die Gepäckfächer – ja und beinahe auch, als letzte Lösung, für die „Board Schränke“. Zum Glück sind wir auf dem Hinflug mit Lufthansa geflogen. Da die nicht allerlei Schnickschnack auf dem Flug verkaufen, gab es Platz für unseren eigentlich so niedlich wirkenden Korb, in dem Schrank wo sonst Parfum und Schnaps gelagert wird.

Und wer sich nun denkt: warum fahren die überhaupt mit nem Picknickkorb nach Irland, dem will ichs erklären: wir waren eingeladen zur Hochzeit meines Gastvaters und den Korb überreichten wir als Hochzeitsgeschenk mit allerlei deutschen (eigenartigen) Spezialitäten.

Nach dem ich bereits auf einigen deutschen Hochzeiten, vor allem in den letzten 3 Jahren, eingeladen oder gar Trauzeugin war, war ich sehr gespannt wie die Iren feiern würden.

Prinzipiell unterscheidet sich auf dem ersten Blick nicht allzu viel von einer deutschen Hochzeit. Es sind am Ende eher die Details.

Für einen großen Lacher und „you’re kidding“ Kommentaren, haben wir gesorgt, als wir tatsächlich die allerersten bei der Kirche waren. (Deutsche Pünktlichkeitstugend..oh weh.) Dabei waren wir nicht mal eine halbe Stunde vorher da. Wir erschienen vor Priester, Fotografen, Bräutigam, Eltern (…) und so weiter. Natürlich begann die Hochzeit nicht mal halbwegs pünktlich und selbst mit halbstündiger Verzögerung, kamen immer noch einige Gäste zu spät und damit mitten im Ja-Wort herein geplatzt. Nunja. Am wichtigsten ist wahrscheinlich, dass sie anschließend nicht zu spät zum trinken im Pub oder an der Bar erscheinen. 🙂

Die Zeremonie wurde in ca. 1 Stunde vollführt und in Englisch und Irisch abgehalten. Was Andi und mir am besten gefallen hat und uns in Erinnerung bleiben wird, ist der Brauch der „shaking hands“. Nachdem das Paar getraut wurde und viele gute Wünsche vorgetragen worden sind, forderte der Priester zum gegenseitigen Händeschütteln auf. Ein Zeichen für Zusammengehörigkeit, Freude und Frieden.

Nach der Trauung ging es für viele erstmal in den Pub. Dies ist definitiv sehr traditionell in Irland.

Wir selbst, wurden von alten Bekannten, zunächst in unser Hotel zum Einchecken gefahren. (Herrlich wie auch im kleinsten Auto für ca. 30 Minuten 6 Personen Platz finden. Kuschelig und sehr waaarrrmm.)

Danach ging es weiter in das wunderschöne Tankardstown Hotel. Herrlich gelegen im Nirgendwo, wurden bei schönsten Sonnenwetter (UNGLAUBLICH! die darauffolgenden Tage hat es nur geregnet) kleine Häppchen und Sekt serviert. Dazu spielte eine Band traditionelle, irische Musik. Wunderschön!

Nun. Da die Sonne so strahlte bekamen wir irgendwann Durst. Das so viele Gäste an der Bar mit Portemonnaie standen, fiel mir erst gar nicht auf. Aber ja! In Irland ist es üblich für die Getränke auf einer Hochzeit selbst aufzukommen. Ausnahme ist während des Abendessens. Aber haltet nach dem Nachtisch eure Gläser fest. Die verschwinden (selbst voll) schneller als man gucken kann. Auch die Hochzeitstorte, die vom Personal auf den Tischen verteilt wurde, musste man verteidigen. Und die war wirklich lecker. Eine Mischung aus Keksen, Schokolade und lecker klebrigen Rosinen, umhüllt von richtig zähen, geschmackvollen Zuckerguss. Ähnlich wie Baumkuchen. Nur leckerer, weil irisch. Klar, oder? 🙂

Nach dem 4 Gang Menü (als Hauptspeise gab es typische Baby potatoes und Karotten und Brokkoli > der fade Geschmack meines 1 jährigen Au Pair Daseins) wurden die Tische beiseite geschoben, die Tanzfläche (die ich vorher bereits verzweifelt gesucht hatte) hervorgezaubert und eine Band baute sich auf, während 80% der Gäste an der Bar für Alkohlnachschub sorgten. Und obwohl man die Getränke selbst bezahlen musste, kamen die meisten Iren mit 2 oder 3 Guinness oder Heineken gleichzeitig zurück. (Und sie wollten damit nicht ihren Sitznachbarn versorgen!)

Von nun an wurde nur noch getrunken und getanzt und getrunken. Mitternacht wurde noch ein Snack serviert. Um den Salzhaushalt wieder aufzustocken, gab es Irish Sausages, Chicken Wings, (fade) Pizza und Sandwiches (grusel). Dazu Kaffee oder Tee. (Was für eine Kombination 🙂 )

Danach folgte: das Trinken, das Tanzen und das Trinken.

Wahrscheinlich hätte das auch noch eine Weile so weitergehen können, aber kurz vor drei kündigte der DJ den letzten Song an. Ich war wieder einmal etwas verwirrt, aber dann fiel mir ein, dass es schon besonderer Lizenzen in Irland bedarf um halbwegs lange öffentlich zu feiern. Während die meisten Pubs ja schon um 1 Uhr schließen (müssen), haben die Night Clubs bis 2 oder 3 Uhr offen. Wir waren also tatsächlich einmal bis zum Ende einer Party anwesend und das war gar nicht so schwer. Haha.

Tja. So steht die Braut also 3 Uhr ohne Musik auf der Tanzfläche. Und da die Bar auch schließen musste, machten sich die letzten Gäste (so auch wir) auf den Weg ins Hotel.

Ein wenig schade fanden wir, dass es wenig Traditionen zu geben scheint. Natürlich behagen diese ganzen Spielchen hier in Deutschland auch nicht jedermann, aber wenigstens ein Herz ausschneiden, den Hochzeitskuchen feierlich hineinbringen oder das liebevolle Überreichen des Hochzeitsgeschenks (hier wurde immer nur im Vorbeigehen dem Brautpaar ein Briefumschlag überreicht) hätten wir uns gewünscht.

Nichsdestotrotz war es ein schöner Abend und eine tolle Gelegenheit mal wieder nach Irland zu fahren. Danke für die Einladung lieber Maurice!

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